Getrennt fahren – zusammen feiern

Die Kleeblatt Anekdoten

Abseits des Rasens
Montag, 23.03.2020 // 09:56 Uhr

Geschichte lebt davon, erzählt zu werden. In einer Zeit in der der Ball beim Kleeblatt ruht, wollen wir den Blick auf einige außergewöhnliche Kapitel der Vereinsgeschichte werfen. Historische Erfolge, einzigartige Begegnungen und stille Helden leben in den Kleeblatt Anekdoten ein weiters Mal auf.

Heute tauchen wir in die zweite Anekdote der 17-teiligen Serie ein: das Geheimnis der Rivalen.

Getrennt fahren – zusammen siegen: So lautete das Motto des in die Fußballgeschichte eingegangenen Länderspiels in Amsterdam im April 1924. Dem Spiel ging allerdings eine geheime Vorgeschichte mit leicht anderen Vorzeichen voraus: Getrennt fahren – zusammen feiern.

Die Deutsche Nationalmannschaft bestand nur aus Spielern der SpVgg Fürth und des 1. FC Nürnberg. Und sprichwörtlich für die innige Abneigung der beiden Rivalen wurde die Tatsache, dass die Spieler in getrennten Abteilen in die Niederlande fuhren. Doch bei den Spielern war es mit der innigen Hassliebe nicht so weit her, wie sich Lony Seiderer, Fürths Kapitän, in seinen Memoiren erinnerte. Denn als eigentlichen Grund für das gesplittete Reiseverhalten nannte Seiderer das eine Woche zuvor in Nürnberg torlos geendete Derby. Nach allen Regeln der Kunst hatte man sich gegenseitig umgeholzt, und alle waren noch so sauer, dass sie nicht zusammen im Zug sitzen wollten – obwohl man sich ansonsten eigentlich ganz gut verstand.

Am Abend vor dem Spiel wollten sich Seiderer und zwei seiner Fürther Kameraden mit einem entspannten Abend vorbereiten. Sie verließen das Hotel, um etwas zu essen, als plötzlich ein Nürnberger Spieler ums Eck kam. Seiderer verriet auch Jahre später dessen Namen nicht – aber sie nahmen ihn mit und verbrachten zusammen einen lustigen Abend. 

Als man später zum Hotel zurückkehrte, trennte sich der FCN-Recke von den drei Fürthern und lief anders herum um den Block zum Hotel. Zuvor bat er die Fürther, ihn nicht zu verraten. Seiderer und die anderen beiden Kleeblättler hielten sich daran. Am nächsten Tag gewann Deutschland durch ein Tor des Fürthers Karl Auer 1:0. Dann fuhr man getrennt zurück. Im Übrigen: Zu allen anderen Länderspielen in der großen Ära der „Fußball-Hochburg“ reisten die Fürther und Nürnberger stets zusammen an…

 

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