Kleeblatt ist Deutscher Meister

Zum 3. Mal darf Fürth feiern.

Karl Rupprecht schießt das entscheidende Tor zum 3:2-Endstand.
Profis
Sonntag, 28.07.2019 // 08:31 Uhr

Heute feiern wir das 90-jährige Jubiläum der dritten und letzten Deutschen Meisterschaft der Spielvereinigung. Seit Montag wurde zu Ehren der Kleeblatt-Legenden der Weg zum Jubiläum zelebriert. Zum Abschluss dieser Serie gibt´s natürlich den Blick auf das Finale gegen Hertha BSC inklusive Zitate nach dem Spiel.

Original-Programmheft des Endspiels 1929.

Walter Bensemann, der geschätzte Herausgeber des Kicker, ermahnt die Berliner. Statt gegen den Spielort Nürnberg zu protestieren, sollten sie sich lieber auf eine sportlich faire Haltung konzentrieren. Im Halbfinale hatten sich die Berliner und der Club in zwei Spielen fulminant zusammengetreten – und nun sollte man ausgerechnet in Nürnberg antreten?

Ruhig und gelassen, wie es ihnen William Townley beigebracht hatte, bereiten sich die Fürther vor: Am Abend vor dem Spiel besucht die Mannschaft eine Aufführung in der Nürnberger Oper, „Der Rosenkavalier“ steht auf dem Plan. Dass man die Herthaner nicht mit Rosen empfangen würde, stand für die Fürther aber da schon fest.

Unterstützung aus der Nachbarstadt und ein überforderter Referee

Als Schiedsrichter Dr. Bauwens am Sonntag, 28. Juli 1929, anpfeift, sind 50 000 Menschen ins überfüllte Stadion gekommen. Die Nürnberger Zuschauer haben sich entschieden: Das Geholze der Berliner im Halbfinale und ihr Protest haben dazu geführt, dass das Nürnberger Publikum sich mit den Fürthern zusammentut.

Und die SpVgg nutzt den „Heimvorteil“ aus und beherrscht das Spiel. In der 14. Minute verfehlt Berlins Keeper Gelhaar eine Flanke, Auer ist zur Stelle und köpft ein. Möglicherweise hätte das Spiel einen ganz anderen Verlauf genommen, wenn Schiedsrichter Dr. Bauwens, später lange Jahre Präsident des DFB, in der 28. Minute nach einem klaren Foul an Auer den fälligen Strafstoß gegeben hätte. Doch das Spiel läuft weiter, und von da an brennen einigen auf beiden Seiten die Sicherungen durch. Der Schiedsrichter greift nicht durch, und so erlebt man bis zur Pause eine Fülle von Fouls und Tätlichkeiten.

Der Meisterwimpel 1929.

Die Berliner, die im Halbfinale schon den FCN mit ihrer überharten Gangart aus dem Konzept brachten, scheinen erneut Erfolg zu haben. Als Fürths Tormann Neger, der einen schlechten Tag erwischt hat, den Ball verfehlt, kann Sobek im wiederholten Nachsetzen den Ausgleich erzielen. Zur Pause steht es 1:1. Kurz vor Franks Schuss zum 2:1 in der 66. Minute muss der Berliner Schulz wegen einer Kopfverletzung raus. Da Auswechseln noch nicht erlaubt ist, spielt Hertha zu zehnt weiter. Dann muss auch Fürths Hagen verletzt raus, und wiederum Sobek nutzt die Verwirrung der Fürther aus dem Gewühl heraus zum 2:2.

Hagen humpelt dann wieder zurück und jubelt in der 85. Minute mit den Kollegen: Franz steckt durch auf Rupprecht, und der Kleeblatt-Stürmer schießt trocken ein zum 3:2. Das war´s: „Hi-ha-ho, Hertha ist K.o“ schreien die Massen, und die Fürther werden mit Lorbeerkränzen auf den Schultern vom Platz getragen. Das Kleeblatt ist zum dritten Mal Deutscher Meister.

Es war das heißeste Treffen, das jemals um diese Siegestrophäe ausgetragen wurde
Paul Sörgel, 1. Vorsitzender der Spielvereinigung

Stimmen zum Endspiel

Otto Nerz (Deutscher Reichstrainer): „Der Bessere hat gewonnen. Rein spielerisch ist das Ergebnis 3:2 für Fürth verdient. Aber es muss auch betont werden, dass Hertha etwa 30 Minuten lang nur mit zehn Man spielen konnte. Wenn ich das Spielgeschehen nochmals überblicke, muss ich feststellen, dass die etwas reifere Mannschaft Fürth war.“

Hans „Prinz“ Hagen: „Nur das fleißige Training, dem sich die Mannschaft unterworfen hat, machte es möglich, den großen Enderfolg zu erzielen.“

Paul Flierl (Vorsitzender des Süddeutschen Fußball-Verbandes und ehemaliger Fürther Spieler): "Ich bin stolz, dass sich der Süddeutsche Fußballverband auf die Spitzenmannschaften seiner Hochburg Nürnberg-Fürth verlassen kann. Herzlichen Glückwunsch an die tapfere Mannschaft der SpVgg Fürth.“

Paul Sörgel, 1. Vorstand der SpVgg Fürth: „Es war das heißeste Treffen, das jemals um diese Siegestrophäe ausgetragen wurde. Es ist selbstverständlich, dass an diesem Ereignis, an diesem Siege alle Schichten unserer Bevölkerung regsten Anteil haben, dass Fürth stolz sein kann und stolz ist auf seine Spielvereinigung. Und besonders auf deren Meistermannschaft.“

Fürths Oberbürgermeister Dr. Wild: „Im Nürnberger Stadion sind die weiß-grünen Fähnchen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und wohin man gesehen hat, haben die Farben unserer Stadt Fürth und unserer Spielvereinigung geleuchtet. Wir konnten wiederum die hohe Spieltechnik, die Spielkultur, den enormen Siegeswillen unserer SpVgg voll bewundern.“

 

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