Innovative Taktik von 1974

Der Spieltagskommentar

Profis
Donnerstag, 21.09.2017 // 10:13 Uhr

Unser Spieltagskommentator hat sich an einer Analyse diesen "komischen" Spiels bei Eintracht Braunschweig versucht. Eindeutig: das 3:0 für die Niedersachsen, die vor eigenem Publikum 16 Meter vor dem eigenen Tor eine blau-gelbe Mauer hochzogen, an Ballbesitz kaum interessiert waren und nur auf der Lauer zum Kontern lagen, spiegelt den Spielverlauf nicht wider.

Wir wollen an dieser Stelle mal den erfahrensten Kleeblatt-Spieler zitieren. „Die Tendenz stimmt, aber wir müssen geduldig sein“, diktierte Marco Caligiuri nach der Niederlage in Braunschweig den Journalisten in die Blöcke. Dieser Einschätzung wollen wir zustimmen. 

Dass es nicht so vehement weiter gehen würde wie gegen Düsseldorf, dürfte klar gewesen sein. Während die Düsseldorfer durchaus versuchten, selbst nach vorne zu spielen und spielerische Akzente suchten, zeigten die Braunschweiger wieder mal das typische Gesicht der zweiten Liga: Man kann, wenn man es so sehen will wie beispielsweise der TV-Kommentator des Senders Sky, schwärmen von der genialen taktischen Ausrichtung der Gastgeber. Man kann aber auch sagen: Die Eintracht stellt sich (wohlgemerkt vor eigenem Publikum) hinten rein und haut die Bälle vor. Wenn das genial ist, dann waren auch Röchling Völklingen, die SpVgg Erkenschwick und der FK Pirmasens genial: Die haben (wie viele andere Klubs) schon 1974 zur Gründung der Zweiten  Bundesliga auf diese höchst innovative Taktik gesetzt.

"Ein komisches Spiel"

Die Gastgeber warteten also auf den einen glücklichen Moment. Der kam, weil schon zum zweiten Mal in Folge ein Linienrichter nicht richtig hingeschaut hat. Winkte der eine gegen Düsseldorf zu Unrecht abseits beim Treffer von Tolcay Cigerci, blieb die Fahne diesmal unten beim 1:0 der Braunschweiger durch Nyman. Der nach einem weiten Schlag und einem gewonnenen Kopfballduell eines Mitspielers losrennen durfte und beim ersten Schuss auf Megyeris Tor gleich traf.

Man darf nun spekulieren, was gewesen wäre, wenn der Mann am Seitenrand gewunken hätte – denn bis zum diesem Zeitpunkt war das Kleeblatt besser im Spiel, hatte wesentlich mehr Ballbesitz. Die andere Seite der Medaille ist aber: Schon in dieser Anfangsphase fehlte der gefährliche Tor-Abschluss. Und nach dem Rückstand verstand es die SpVgg trotz weiterhin hoher Ballbesitzwerte nicht, den Gastgeber irgendwie in Bedrängnis zu bringen. Die Braunschweiger dachten gar nicht daran, ihre Taktik zu ändern. Blieben hinten drin stehen und konterten. Das brachte ihnen ein 3:0. Das Ergebnis fiel zu hoch aus, und man kann Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht verstehen, wenn er von einem „komischen Spiel“ sprach, mit dem er eigentlich nicht zufrieden war.

Damir Buric bemängelte andererseits die „fehlende Zielstrebigkeit“ seiner Mannschaft. Womit wir wieder bei Marco Caligiuris Einschätzung wären. Die Struktur, die der neue Coach dem Team bereits gegeben hat, ist zukunftsfähig, doch muss noch hart gearbeitet werden, um sich dauerhaft stabil zu zeigen.

 

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